Leistungen kalkulieren – Wirtschaftlichkeit sichern

Die Qualität der Reinigung und die Erfüllung der hygienischen Anforderungen werden über das Leistungsverzeichnis und der Reinigungsfrequenzen vorgegeben. Dabei bilden Leistungskennziffern und Stundenverrechnungssatz die Berechnungsgrundlage für die Höhe der Reinigungskosten. Die kalkulierten Soll-Stunden stehen in Abhängigkeit zu Leistungskennziffern, Reinigungsfrequenzen, Raumflächen und Leistungsverzeichnis.

Machbarkeit vs. Wirtschaftlichkeit

Je höher die Leistungskennziffern und je niedriger der Stundenverrechnungssatz, desto geringer die Reinigungskosten. Hohe Leistungskennziffern bedeuten, dass weniger Zeit für die Durchführung von Reinigungsleistungen zur Verfügung steht. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass der volle Leistungsumfang nicht erbracht werden kann.

Leistungskennziffern professionell

Leistungskennziffern sind professionell kalkuliert, wenn einrichtungsspezifische Einflussfaktoren bei der Festlegung miteinbezogen werden. Sie beeinflussen den Zeitaufwand der Reinigungsleistung maßgeblich mit.

 

Um hohe Flächenleistungen umsetzen zu können, sind

  • ein fundiertes Fachwissen der Führungskräfte
  • ein hohes Maß an Mitarbeitermotivation
  • eine qualitativ hochwertige Reinigungschemie und Reinigungstextilien
  • bestens ausgerüstete Reinigungswagen
  • permanente Schulungen des Reinigungspersonals

erforderlich.

Die Richtwerte für die Reinigung im Krankenhaus nach der RAL-Gütegemeinschaft der Gebäudereinigung haben einen Empfehlungscharakter und dienen der Orientierung.

Flächenleistungen nach Raumgruppen

Raumart m² / h
Patientenzimmer 130-220
Toiletten, Wasch- und Duschräume, Bäder 60-120
Teeküchen 60-120
Intensivbereiche 110-190
Funktionsbereiche, Behandlungszimmer 80-160
OP-Bereich (Schlussreinigung) 25-60
Büros im Verwaltungsbereich 160-230
Besprechungszimmer 200-350
Aufenthaltsräume 110-190
Umkleideräume, Garderoben 200-320
Aufzüge 90-150
Flure 250-650
Eingangshallen 200-600
Treppenhäuser 130-200
Nebenräume 250-400

  Die Schwellenwerte Ø 220 m²/h für die Unterhaltsreinigung in Kliniken und Ø 100 m ²/h für die OP-Reinigung sollen aus meiner Sicht nicht überschritten werden. Abweichungen sind möglich und stehen in Abhängigkeit zum Leistungsverzeichnis.

  Einrichtungsspezifische Einflussfaktoren sind:

Raumgröße und Überstellungsgrad • Qualität der Fußböden • Verbaute Materialien • Zugänglichkeit der Flächen • Gebäudezustand • Nutzungsfrequenz • Verschmutzungsgrad • Infrastruktur • Wegezeiten

Stundenverrechnungssatz

Der Stundenverrechnungssatz gehört neben den Leistungskennziffern zu der Berechnungsgrundlage der Reinigungskosten.

Lohnkosten

Im Fokus des Benchmarks der Krankenhausreinigung stehen neben dem Quadratmeterpreis der gereinigten Fläche und den Materialkosten – die kalkulatorischen Produktivlohnkosten.

Dienstleister müssen mit einem Zuschlag von 70% auf den Mindestlohn kalkulieren, um Soziallöhne, Sozialversicherungsabgaben sowie weitere lohngebundene Kosten finanziell abzusichern. Realistisch sind Zuschlagshöhen zwischen 90 – 120% auf den Mindestlohn [je nach Auftragsgröße], um unternehmens- und auftragsbezogenen Kosten abzudecken und einen Gewinn zu erwirtschaften.

Differenzen und Abweichungen zwischen den Ist-Personalkosten und den Soll-Personalkosten können unterschiedlich begründet sein.

Beispiele für mögliche Gründe:

  • Reinigungszeiten sind den Revieren falsch zugeordnet
  • Reinigungskräfte leisten Arbeiten, die nicht im Leistungsverzeichnis erfasst sind
  • Rüstzeiten, Wegezeiten und Wartezeiten die zu Mehrstunden führen
  • Reinigungsverfahren und Reinigungsabläufe, die zu zeitaufwendig sind
  • Verbaute Materialien, die zu arbeitsintensiv sind

Warum Reinigungsleistungen nicht in den vorgegebenen Zeiten zu erbringen sind, muss differenziert betrachtet und analysiert werden.

   Ein Zuschlagssatz von 80 – 90% auf den Mindestlohn ist sehr knapp bemessen – aber noch umsetzbar.

  Alles was unter diesem Satz liegt, ist unrealistisch. In diesem Fall wären nur die lohngebundenen Kosten abgesichert.

  Einflussgrößen auf kalkulatorische Produktivlohnkosten

Ein niedriger Stundenverrechnungssatz im Verhältnis zu hohen Flächenleistungen   hohe Produktivlohnkosten %.

Ein hoher Stundenverrechnungssatz im Verhältnis zu niedrigen Flächenleistungen    niedrige Produktivlohnkosten %.

Lohnfortzahlung ein Indikator

Die Lohnfortzahlung ist ein Indikator für Mitarbeiterzufriedenheit, der einen hohen Stellenwert in Unternehmen einnimmt. Krankheitsbedingte Lohnfortzahlungen, die weit über 5% liegen, sind aus diesem Grund zu analysieren und weil die auflaufenden krankheitsbedingten Personalkosten das Betriebsergebnis negativ beeinflussen.

Materialverbrauch

Ein ressourcenschonendes Reinigungsverfahren ist beispielsweise das 1-stufige Nasswischen mit vorpräparierten Reinigungstextilien (z, B. Pre-prepared Verfahren). Der Wasserbrauch ist wesentlicher geringer als bei anderen 1-stufigen Nasswischverfahren.

 

Ursachen für erhöhte Lohnfortzahlungen sind:

  Altersstruktur der Mitarbeiter

  Ausfallzeiten bedingt durch Langzeitkranke

  Anhäufungen von Kurzzeit-Krankmeldung

Zeichnet sich ab, dass die Anzahl der Kurzzeit-Krankmeldungen stetig steigt, ist es ratsam die Beweggründe zu analysieren und zu bewältigen.

Die innerliche Kündigung der Mitarbeiter, bedingt durch fehlende Mitarbeiterbindung, hohe Arbeitsdichte und fehlende Anerkennung / Wertschätzung etc. führt dazu, dass in angespannten Arbeitssituationen bereits bei kleinsten Krankheitssymptomen ein Arzt konsultiert wird.

 

Gegenüberstellung: Wasserverbrauch pro Tag

Methode Fläche  Wasserverbrauch
pro Tag
Wasserverbrauch
pro Jahr
Pre-prepared Verfahren 5000 m² 75 l 27.375 l
1-stufiges Verfahren herkömmlich 5000 m² 261 l 95.265 l
Differenz 186 l 67.890 l

(Quelle: rationell reinigen, 3.2012 Uwe Büttner)


Ein weiterer Zusatznutzen liegt im Einsparungspotenzial durch die Reduzierung von Verbrauchskosten für Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Ein zusätzlicher Nebeneffekt ist, dass die Gewässer durch das Wegfallen der Entsorgung der überflüssigen Reinigungsflotte nicht belastet werden.

 

  Das Schaffen von Rahmenbedingung für ein gesundes Arbeitsklima ist wichtig. Das Einbeziehen der Mitarbeiter bei Veränderungsprozessen, Loben für geleistete Arbeit, offene Kommunikation sowie ein kooperativer Führungsstil begünstigen eine positive Arbeitsatmosphäre.

 

  Das Arbeiten mit vorgetränkten Bezügen ist derzeit mit das effektivste Verfahren auf dem Reinigungsmarkt auch hinsichtlich des Zeitaufwandes.